Moritz Schade: Trip in die Heimat

Vergangene Woche war Moritz Schade drei Tage in der Heimat. Der Trip nach Offenburg war kurzfristig zustandegekommen. „Ich war Weihnachten hier und wäre eigentlich erst wieder im Sommer gekommen“, sagt der Handballer des HC Eintracht Hildesheim. Doch weil der ambitionierte Drittligist seit Monaten durchtrainiert und weiterhin kein Spielbetrieb terminiert ist, gab es eine Woche trainingsfrei.

Moritz Schade ist nur noch selten in der Ortenau anzutreffen, seit er 2012 eine folgenreiche Entscheidung getroffen hatte. Als C-Jugendspieler des TuS Schutterwald hatte er eine Initiativbewerbung bei den Berliner Füchsen gestartet („weil ich durch jede Sichtung gerattert bin“) und tatsächlich die Chance bekommen, ins Füchse-Internat zu wechseln. Bis 2016 spielte der Kreisläufer in Berlin, hamsterte dabei drei deutsche Jugend-Meistertitel ein, feierte sein Debüt im Bundesliga-Team, gewann mit den Füchsen 2015 den Europa Pokal und wurde Vize-Europameister mit den Junioren. Danach ging es für ein Jahr zum Dessau-Roßlauer HV. Es folgten drei Jahre in Nettelstedt-Lübbecke, seit Sommer ist der 25-Jährige in Hildesheim und denkt gerne an den Berliner Fuchsbau zurück. „Wir haben knallhart trainiert, davon zehre ich noch heute.“

Hildesheim will in die 2. Liga
Beim Ex-Bundesligisten in Hildesheim sind die Ziele hoch. Der Verein will zurück in die 2. Liga. Im Kader stehen mehrere Ausländer. „Normal ist das nicht für einen Drittligisten“, gibt der 1,94 Meter große Abwehrchef zu.

Hauen und Stechen befürchtet
Bis zur Saisonunterbrechung hatte Hildesheim 10:0 Punkte eingefahren, die wegweisenden Spiele gegen Rostock und Potsdam wären da erst gekommen. So bleibt die Ungewissheit über die wahre Formstärke, jetzt aber auch die Chance, über die Aufstiegsrunde, für die auch der TV Willstätt gemeldet hat, in die 2. Liga zurückzukehren. Doch nicht nur Moritz Schade befürchtet angesichts von nur zwei Aufsteigern „ein Hauen und Stechen“.

„Aufstieg muss man sich verdienen“

Ganz persönlich ist der Exil-Offenburger mit der Entscheidung nicht ganz so glücklich. „Ich hätte die Saison abgebrochen“, vertritt er eine klare Meinung und findet: „Einen Aufstieg muss man sich verdienen, am besten über 34 Spieltage.“ Allerdings hat ihn die Erfahrung auch gelehrt: „In Corona-Zeiten gibt es keine Gerechtigkeit.“

Zuschauer fehlen
Privat fühlt sich der Fan des SC Freiburg und des englischen Fußballs, der mit Bruder Lukas, der beim HGW Hofweier spielt, fast jedes Jahr den Boxing Day in einem Stadion auf der Insel verbringt, mit Freundin Valerie Svoboda in Hildesheim sehr wohl. „Kulturell und kulinarisch hat die Region einiges zu bieten“, schwärmt Schade. Und da die Freundin, die selbst beim TuS Altenheim Handball gespielt hat und als Erzieherin arbeitet, Verwandtschaft in der Nähe hat, gab es bei der Eingewöhnung viel Hilfe. „Der Vorteil in Corona-Zeiten ist, dass wir am Wochenende viel Freizeit haben und die Umgebung mit unseren E-Rollern erkunden“, erzählt Schade, der gleichwohl den lange gewohnten Handball-Alltag vermisst. „Spiele bestimmen die Woche, wie man trainiert, wie die Stimmung ist…“ Er weiß, die privilegierte Situation eines Profi-Sportlers in dieser Zeit zu schätzen, aber manchmal fragt er sich schon: „Für was trainiere ich eigentlich?“ Es fehlen die Atmosphäre in der Halle mit Zuschauern und auch die Gespräche danach. „Da kommt man schließlich in Kontakt mit den Menschen.“

Zwei-Jahres-Vertrag
Dessen ungeachtet fühlt sich Moritz Schade, der im sechsten Semester Medien- und Kommunikationsmanagement studiert, beim HC Hildesheim aber gut aufgehoben. Er kann sich derzeit gut vorstellen, seinen Zweijahres-Vertrag auch zu verlängern. „Um jeden Preis wechsle ich hier nicht weg, zumal meine Freundin das auch nicht so einfach kann.“

Richtung Heimat
Doch nach Jahren der Wanderschaft ist für ihn auf der anderen Seite auch klar: Nach der Zeit in Hildesheim, wann immer die zu Ende sein wird, soll es wieder in Richtung Heimat gehen. „Auf jeden Fall, das ist unser beider Wunsch“, erklärt er, „hier will ich leben und Kinder großziehen.“

 

Quelle: Mittelbadische Presse
Autor: Miqua
Bild: @Privatfoto
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